Didaktische Zugänge zu Franz Kafka

Termine
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Referent/in:
Ulrike Kindl
Freitag, 09. Oktober 2020 - 15:00 bis 18:00

Die Themen in Kafkas Werken sind geradezu beklemmend aktuell und ermöglichen es Jugendlichen, sich mit Herausforderungen der Gegenwart, mit Fragen an ihre eigene Persönlichkeit und ihre Sicht der Welt auseinanderzusetzen.
Als Einstieg in eine neue Sicht auf die „Ikone“ Kafka soll ein summarischer Überblick über die Rezeptionsgeschichte von Kafkas Werk besprochen werden:

  • Als Kafka 1920 in Meran kurte, war er literarisch noch kaum hervorgetreten und nur einem sehr kleinen Kreis von interessierten Freunden überhaupt als Schriftsteller bekannt. In Meran kannte den zukünftigen Klassiker der Weltliteratur kein Mensch.
  • Kafkas Werk blieb im deutschsprachigen Raum bis weit in die 1950er Jahre weitgehend unbekannt, da das totalitäre System des Nationalsozialismus mit „undeutschen“ Autoren wie Kafka natürlich nichts anfangen konnte.
  • Die Rolle einer ersten „verklärenden“ Rezeption durch die Werkausgaben, die großteils noch auf den (heute überholten) Einschätzungen von Max Brod beruhten.
  • Das heutige Kafka-Bild, das erst durch die 1995 begonnene und bis heute nicht abgeschlossene Historisch-Kritische Gesamtausgabe (Reuß-Stängle, Franz-Kafka-Ausgabe) überhaupt möglich wurde.

Anhand ausgewählter Texte werden verschiedene Zugänge auch sprachlicher Art unter Berücksichtigung neuester Forschungen aufgezeigt. Geplant sind Besprechungen von:

  • Die Verwandlung (1915) – Auszüge
  • Ein Bericht für die Akademie (1919)
  • Ausgewählte „Erzählungen aus dem Nachlass“: Nachts – Kleine Fabel – Gib’s auf – Von den Gleichnissen.

Als Abschluss ist ein Blick in die Briefe geplant, die Kafka während seines Aufenthaltes in Meran an verschiedene Briefpartner schrieb, um einerseits einen unmittelbaren Bezug zur Zeit- und Lokal-geschichte herzustellen, andererseits aber auch um die kritische Frage nach der Einordnung von Kafkas Weltgeltung in die 1920er Jahre zu stellen. Der damalige Zeitgeist stand entweder unter dem Vorzeichen der Finis-Austriae-Nostalgie oder der Berliner Moderne: Kafkas Werk fällt, offenkundig, völlig aus seiner Zeit – wie erklärt sich die utopische Vision dieses Schaffens, das erst heute seine ganze Kraft als „Gegenentwurf“ enthüllt?

Nummer
21/20
Status
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Anmeldeschluss
25-09-2020, 12:00
Leitung
Veronika Rieder
Ort
Fos
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